Forschungsprojekt des ASB KIT München in Kooperation mit der LMU München 

Das KIT-München im Umgang mit Covid-19+

Autor: Peter Zehentner, Leiter KIT-München
Die aktuelle Krise beschäftigt uns besonders in drei Bereichen:
Der erste Bereich ist der Alltags und Einsatzdienst. Dieser läuft im gleichen Umfang wie vor der Corona-Krise. Da Dienste wie „First Responder“, „Helfer vor Ort“ oder auch Einrichtungen der Krisenintervention in größerer Zahl eingestellt wurden, war und ist dies bei uns natürlich auch noch ein Thema der Überlegungen. Vorerst haben wir uns den Infektionsschutzmaßnahmen des Rettungsdienstes angepasst und den Dienst weiter 24/7 ununterbrochen aufrechterhalten. Die Einsätze des KIT-München werden nun generell immer mit Mund-Nasenschutz (FFP1 Maske) gefahren. Auch für Betroffene haben wir entsprechende Masken dabei. …weiterlesen

Autor: Peter Zehentner, Leiter KIT-München

Die aktuelle Krise beschäftigt uns besonders in drei Bereichen:

Der erste Bereich ist der Alltags und Einsatzdienst. Dieser läuft im gleichen Umfang wie vor der Corona-Krise. Da Dienste wie „First Responder“, „Helfer vor Ort“ oder auch Einrichtungen der Krisenintervention in größerer Zahl eingestellt wurden,

war und ist dies bei uns natürlich auch noch ein Thema der Überlegungen. Vorerst haben wir uns den Infektionsschutzmaßnahmen des Rettungsdienstes angepasst und den Dienst weiter 24/7 ununterbrochen aufrechterhalten. Die Einsätze des KIT-München werden nun generell immer mit Mund-Nasenschutz (FFP1 Maske) gefahren. Auch für Betroffene haben wir entsprechende Masken dabei. Um die knappe Ressource Mund-Nasenschutzmaske zu schonen haben wir darum gebeten für uns Masken zu nähen. Dem Aufruf gefolgt sind unsere KIT-Mitarbeiterinnen und KIT-Mitarbeiter selbst und viele Freunde des KIT-München. Zum Schutz der wertvollen Ressource Mensch, haben wir bei uns im Haus seit Beginn der Infektionswelle eine Maskenpflicht ohne Ausnahmen eingeführt. Somit finden alle Besprechungen und Stäbe natürlich auch mit diesen Masken statt.

Erschwert wird unser Dienst durch das Verbot einiger Arbeitgeber, wie z.B. Kliniken, des ehrenamtlichen Engagements im KIT-München und im Rettungsdienst. Diese vorübergehende Maßnahme der Sicherung der Versorgung in den Kliniken und anderen Unternehmen, stellt uns jedoch vor große Herausforderungen. Zusätzlich können einige Ehrenamtliche im KIT-München derzeit keinen Einsatzdienst versehen, da sie zu einer der Risikogruppen gehören. Dies muss dann von den Verbliebenen mit höherem Engagement kompensiert werden. Aber es gelingt bisher auf wunderbare Weise und erfüllt uns Alle mit Stolz! Neben dem vielfältigen und deutlichen Mehraufwand an Arbeit und Kosten, kommen nun noch finanzielle Einbußen hinzu. Da wir zusätzliche Schutzausrüstung, Infektionsschutzmaterial (FFP 1/ 2/ und 3 Masken, Schutzbrillen, Kittel, Schutzanzüge, Desinfektionsmittel für Hände und Flächen) und notwendig zusätzliche Infektionsschutz-schulungen selbst finanzieren müssen, kamen und kommen hier weitere Kosten auf uns zu. Der zweite Bereich betrifft KIT-Einsätze mit hohem Infektionsrisiko. Vorbereitet werden musste bei uns auch der Umgang mit COVID-19 Erkrankten oder Personen, bei denen der Verdacht besteht mit COVID-19 Infiziert zu sein. Der Einsatz z.B. eines Infektionsschutzanzuges ist im KIT-München wie auch im Rettungsdienst nicht Alltag.

Daher haben wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umgang mit den Infektionsschutzmaterialien von einer staatlich geprüften Hygienefachkraft in mehreren Fortbildungen schulen lassen. Der dritte Bereich ist die Fachexpertise und Beratung.

Unter anderem sind wir aktuell an folgenden Stäben und Arbeitsgruppen beteiligt:

  • Fachberater PSNV als ständiges Mitglied in der GAL, der Gefahren Abwehr Leitung der Stadt München.
    Zusammen mit dem Stab der SAE (Stab für Außergewöhnliche Ereignisse) ist dies die FüGK (Führungsgruppe Katastrophenschutz gem. BayKSG ) für Stadt- und Landkreis München.
    Hier bekam das KIT-München von der ÖEL (Örtlichen Einsatzleitung gem. Art. 6 BayKSG) den Auftrag für die Beratung zur psychosozialen (Notfall-)Versorgung auch im Bereich der stationären Einrichtungen.
    Mit einem Fachberater PSNV als ständiges Mitglied in der GELZ, dem gemeinsamen Einsatz- und Lagezentrum der bayerischen Hilfsorganisationen und der privaten Katastrophenschutzanbieter.
  • Fachberater PSNV im Krisenstab des ASB Landesverbandes für das Bundesland Bayern auch mit dem Thema PSNV-E für Einsatz- und Pflegekräfte
  • Fachberater und Sonderstabsfunktion PSNV im Krisenstab des ASB Regionalverbandes München/ Oberbayern e.V. auch mit dem Thema PSNV-E für Einsatz- und Pflegekräfte
  • Stab des Ressorts Einsatz des KIT-München
  • Runde der Einsatzleiter und Bereitschaftskoordinatoren des KIT-München
  • Reger Austausch mit der Landeszentralstelle PSNV des Bayerischen Innenministeriums an der staatlichen Feuerwehrschule in Geretsried.

Unsere veröffentlichte Entscheidung den Einsatzdienst des KIT-München unvermindert aufrecht zu erhalten, hat einige andere Organisationen dazu ermutigt, auch ihren KIT-Dienst wieder zu starten. Neben viel Mehrarbeit, der anstrengen Tatsache nun ständig über Telefon- und Videokonferenzen arbeiten zu müssen, ist es doch bereichernd erleben zu können, wie das KIT-München, ja unsere gesamte Gesellschaft sich einer in der Neuzeit nie dagewesenen Krise stellt und diese bewältigt!

Unfälle, Katastrophenfälle oder Amokläufe sowie alltäglichere Ereignisse, wie der Tod naher Angehöriger, können Betroffene psychisch stark belasten. Ihnen bei der Bewältigung von (Extrem-)Situationen zu helfen ist das Ziel der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV). Die ehrenamtlichen Mitarbeitenden des Kriseninterventionsteams (KIT)- München in der Trägerschaft des ASB Regionalverbands München/Oberbayern e.V. sind seit 1994 im Einsatz, um Menschen in Krisen zu betreuen. Sie haben als eine der ersten Organisationen die Einrichtung der PSNV begründet und hohe Standards für die Qualifizierung der Ehrenamtlichen erarbeitet, die sie bundesweit durch das Mitwirken in verschiedenen Gremien auf kommunaler, Landes- und Bundesebene etablieren und sich so gleichzeitig für die Weiterentwicklung dieses Themenfeldes engagieren.

Aus dieser Motivation heraus entstand ein Kooperationsprojekt mit der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU) und weiteren Vertretern renommierter Institutionen mit dem Ziel neue Erkenntnisse in der Wirksamkeitsforschung von PSNV-Betroffener (PSNV-B) zu gewinnen. Die wissenschaftliche Leitung hat Prof. Dr. Thomas Ehring, Lehrstuhlinhaber für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der LMU, inne.

Das einmalige Forschungsprojekt ist in zwei Phasen unterteilt: In der ersten – derzeit laufenden – Phase des Projektes wird auf Basis wissenschaftlicher Gutachten und unter Beratung von bundesweit führenden ExpertInnen des Fachgebiets ein Einsatzprotokoll erarbeitet. Gleichzeitig läuft eine Erprobungsphase der ersten Version dieses neuen Protokolls im Einsatzdienst des KIT-München, das nach Abschluss der Testphase und auf Basis der erhaltenen Rückmeldungen optimiert wird. Das überarbeitete Protokoll wird dann beim KIT-München in den Regelbetrieb gehen.
Parallel dazu wird eine Software zur Dokumentation von Einsatzdaten – detailliert zugeschnitten auf das neue Einsatzprotokoll ­– entwickelt: So lassen sich die Protokolldaten digitalisieren, was die Dokumentation der Einsätze, aber insbesondere die statistische und wissenschaftliche Auswertbarkeit erheblich erleichtert. Sowohl das Einsatzprotokoll, als auch die Software sollen nicht nur beim KIT-München, sondern bayern- und bundesweit für andere Organisationen in der PSNV einsetzbar sein. Hierzu stehen die Kooperationspartner im engen Austausch mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe des Bundesinnenministeriums.

In der zweiten Phase wird im Rahmen einer Studie die Wirksamkeit der PSNV-B und ihrer Maßnahmen untersucht.

Die Versicherungskammer Stiftung unterstützt das KIT-München mit der LMU München bei der Durchführung dieses Forschungsprojekts, da es die ersten Erkenntnisse in bisher unerforschtem Gebiet liefert und eine Verbindung von Forschung und praktischem Ehrenamt schafft.

Weitere Informationen zu Arbeit des KIT München finden Sie hier.