Sonderpreis für gelebte Erinnerungskultur: Theaterprojekt STIMMEN erhält Ehrenamtspreis

Im Rahmen des Ehrenamtspreises 2025 der Versicherungskammer Stiftung wurde das Theaterprojekt „STIMMEN – Eine Aufführung zu den NS-Euthanasie-Verbrechen in Bayern“ der Bürgerstiftung Haar mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Die feierliche Preisverleihung fand am 22. September 2025 im Ernst-Mach-Gymnasium Haar statt – an jenem Ort, an dem das Projekt seinen Ursprung hat und der zugleich Schauplatz der historischen Ereignisse ist, die im Zentrum der Aufführung stehen.
Das Projekt setzt sich auf eindrucksvolle Weise mit einem dunklen Kapitel der deutschen Geschichte auseinander. Rund 40 junge Menschen im Alter von 12 bis 27 Jahren – mit und ohne Handicap – engagieren sich ehrenamtlich in der Projektgruppe. Gemeinsam bringen sie die Geschehnisse in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Haar während der NS-Zeit auf die Bühne und geben so den Opfern und auch den Widerstand Leistenden eine Stimme.

Die Aufführung ist bewusst offen und dynamisch gestaltet: Sie wird fortlaufend weiterentwickelt, an neue Erkenntnisse angepasst und an unterschiedliche Spielorte übertragen. Bereits über 3.000 Zuschauerinnen und Zuschauer haben die bewegende Performance erlebt, die nicht nur in Haar, sondern auch an anderen Orten in Bayern, Deutschland und sogar im Ausland gezeigt wird. Die Nachfrage nach weiteren Aufführungen ist groß – zahlreiche Einladungen zu Festivals und Gedenkstätten liegen bereits vor.

Die Preisverleihung wurde von einer Reihe hochkarätiger Grußworte und Reden begleitet. Nach der Begrüßung durch den Schulleiter Herrn OStD Dr. Matthias Flurl und dem Vorsitzenden der Bürgerstiftung Haar, Herrn Jürgen Partenheimer, richtete Frau Gabi Schmidt, Ehrenamtsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, ein bewegendes Grußwort an die Gäste und betonte die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für die Demokratie. Auch Herr Rainer Schneider, stellvertretender Bezirkstagspräsident, würdigte in seinem Grußwort die nachhaltige Wirkung des Projekts für die Erinnerungskultur in der Region.

Im Rahmen der Preisverleihung präsentierte die Theatergruppe eine ergreifende Kurzversion ihres Stücks „STIMMEN“. Die intensive Darstellung und die emotionale Tiefe des Stücks hinterließen einen bleibenden Eindruck und unterstrichen die Bedeutung des Projekts für die Erinnerungskultur.

In ihrer Laudatio hob Barbara Schick, Vorstandsmitglied der Versicherungskammer Stiftung, das außergewöhnliche Engagement der Projektgruppe hervor:
„Mit großer Sensibilität und künstlerischer Tiefe greifen die Teilnehmenden die schwierige und oft verdrängte Thematik auf und schaffen einen Raum des Erinnerns, des Nachfragens und des Diskutierens – direkt hier am Ort der Geschichte. Ihr Engagement steht damit für eine der wichtigsten Aufgaben im Ehrenamt: Nie wegzuschauen, sondern Verantwortung zu übernehmen.“

Das Projekt STIMMEN ist ein herausragendes Beispiel für gelebte Demokratie und Inklusion. Die jungen Mitwirkenden gestalten das Stück kollektiv, treffen Entscheidungen gemeinsam und schaffen so einen Erfahrungsraum, der sowohl für die Teilnehmenden als auch für das Publikum nachhaltig wirkt. Gerade in Zeiten, in denen demokratische Grundwerte und der Schutz von Minderheiten nicht mehr selbstverständlich sind, setzt das Projekt ein starkes Zeichen für Menschlichkeit, Erinnerung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Wir gratulieren der Bürgerstiftung Haar und allen Beteiligten herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung und danken für ihren unermüdlichen Einsatz für eine lebendige Erinnerungskultur!